Freunde kennen mich seit der Schulzeit als "Fuscht". Ich bewege mich langsam aber sicher den 30ern zu und führe ein anständiges und ruhiges Leben.
Meine Kindheit ist von viel Spiel, Spass, Freundschaften und Neugier geprägt. Ich war nie ein was man als "Problemkind" bezeichnet, würde aber lügen wenn ich behaupten würde dass ich stets immer ein kleiner Engel war. Ich bin kein Einzelkind, bin aber das letzte und somit der jüngste meiner Geschwistern.
Ich war nie einer der gross den Ton angab, gehörte aber dennoch immer zu denen die gerne nach der Meinung gefragt wurden.
Ich schaute gern TV und wenn ich mal keine Schule hatte, so wachte ich gerne um 7 Uhr morgens auf um Trickfilme zu schauen. Ich war (und bin) ein sehr verträumter Junge mit einer sehr gut ausgeprägte Fantasie. Ich mag mich gut erinnern dass ich für mein Alter ziemlich einen reiferen TV-Serien Geschmack als meine Zeitgenossen hatte. Während meine Freunde den Power Ranger nacheiferten, hoffte ich dass Samuel Beckett endlich seinen Quantensprung nach Hause gelang! Bei der Musik sah das nicht anderst aus, Bravo-Hits, Schlümpfe Compilations, Aqua, DJ Bobo... das war einfach nicht meine Musik! Stattdessen schlich ich mich in Bruders Zimmer und legte heimlich die BAD Vinyl LP auf dem Plattenspieler und tanzte und moonwalkte zu Michael Jacksons Lieder.
Einziger Mainstream (dem ich mich anschloss) welcher mit verweigert wurde waren die Spielkonsolen. Ist vielleicht ein Grund warum ich schlussendlich nie ein grosser Gamekonsolen-Fan war und stattdessen heute (um so mehr) PC Spiele sammle! Dies bedeutet aber nicht dass ich meine Schulfeierabende in meiner Teeniezeit nicht gerne mit einer meiner besten Freunde vor dem Super NES verbracht hatte, ganz im Gegenteil! Speziell zu Mortal Kombat 3 und Terranigma hatten wir eine enge Verbundenheit. Aber auch wir gingen mit der Zeit (zumindest mein Buddy) und wechselten schliesslich zur Play Station und zum PC.
Apropos Schule; Ich war nicht gerade ein Musterschüler konnte aber ziemlich gut in allen Fächern mithalten, trotz eines Lehrers in den ersten drei Jahren meiner Primarschule, der gerne Schüler verprügelte, besoffen zur Schule kam und sich seine Zigaretten (gehen wir mal davon aus dass es Tabak war...) im Klassenzimmer rollte. In der vierten Klasse hatte ich sogar ein komisches Wesen aus einem anderen Planet als Lehrerin. Das Wesen hatte etwas gegen mich und verstehe heute noch nicht was und wieso genau. Die fünfte Klasse hingegen war so wie ich die Schule aus den Filmen kenne: wie eine Schule! Sogar die Lehrerin war diesmal ein waschechter Mensch! Jung, hübsch und intelligent noch dazu! Die restlichen Jahren in der Oberstufe waren dann ganz ok, ausser dass ich mich damals in ein Mädchen verknallt hatte die mich leider sehr wie ein Bruder mochte (Jungs, ihr wisst was ich meine) gibts nichts erwähnenswertes. Höhen und Tiefen halt, wie man sie kennt. Erwähnenswert ist vielleicht dass ich nie gerne auf mehrtägigen Schulreisen gegangen bin. Das hat mehrere Gründe die ich hier nicht weiter eingehen will. Aber schon damals verspührte ich eine gewisse Angst davor weg zu gehen, irgendwo anderst zu schlafen, nicht in der gewohnten Umgebung.
Wenn man mich fragte was genau ich später machen wolle, antwortete ich meistens mit einem Achselnzucken. Zwar wollte ich immer Autodesigner werden, aber selbst für einen verträumten Jungen war dies ein ziemlich unrealistischer Traum. Automechaniker wäre vielleicht die andere Alternative gewesen, zumindest die realistischere Alternative. Als Sekundarschüler ist aber ein Beruf wie Automechaniker Tabu! Zu schmutzig! Was sagen dann die erwartungsvollen Eltern dazu? Die eigene Freunde würden mich auch nicht verstehen und auch nur belächeln! So musste ich mir den Beruf des Automechanikers abschminken. Stattdessen wurde ich Verkäufer! Da muss ich mit Kravatte rumlaufen, das ist chic! So ein sauberer Job muss einfach super sein! ... ... naja ... könnte ich in die Zeit zurückreisen würde ich mich ohrfeigen! Zugegeben, ich war ein bisschen selbstschuld, aber ein grosser Teil der Schuld tragen auch die Lehrer die sich um die Schüler einen Dreck scheren, und sie nicht unterstützen und nicht gut genug (wenn überhaupt) aufklären was es für Möglichkeiten nach der obligatorischen Schule gibt.
Meine Lehre als Detailhandelsangestellter (bloss ein schöneres Wort für Verkäufer - bringt ausser ein zusätzlich vergeudetes Lehrjahr genau nichts) began sehr gut und einiges sprach dafür dass ich eines Tages gross rauskommen würde!
Nach Höhen und Tiefen auch während meiner Lehrzeit schloss ich schliesslich meine Ausbildung mit einem "gut" ab. Nach meiner Lehrzeit arbeitete ich für kurze Zeit noch für die gleiche Firma. Mein Vertrag lief aus und so kam ich zu meinem letzten Arbeitgeber. Ab dann fing sich mein Horizont langsam zu verdunkeln. Grau-schwarze Wolken dichteten sich über meinem Kopf und der Wind begann stärker zu peitschen. Wenige Male durfte ich kurze Windstillen geniessen. Das was aber nach einer Verschnaufspause aussah, war lediglich die Ruhe vor dem Sturm...
(ist aber eine andere Geschichte)

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